Die Azoren, das Hawai’i Europas.

Lange Zeit wusste ich nicht, dass das „Azorenhoch“ seinen Namen einer Inselgruppe mitten im Atlantik verdankt.

Wieso sollte ich auch? Surfen war bis 2004 nicht auf meinem Radar, als es urplötzlich quasi aus dem Nichts auftauchte und mir in wenigen Monaten klar machte: Ich werde dein Leben für immer verändern. Als ich damals in der Surferbibel, dem Stormrider Guide Europe blätterte (du hast richtig gelesen: blätterte, nicht scrollte) stiess ich auf den letzten Seiten auf die Azoren. Wörter wie „abgelegene Inselgruppe“, „Swells im Überfluss“ und „Wellen wie Güterzüge“ sprangen mir ins Auge. Ich wusste, dass ich für solche Wellen noch eine Weile nicht bereit sein würde und es brauchte ganze 11 Jahre, bis ich schliesslich zum ersten Mal einen Fuss auf die Azoren setzte.

Kleine grosse Insel.

São Miguel – für seine Schönheit bekannt und auch als „die Grüne Insel“ bezeichnet – ist die grösste Insel des Archipels und Sitz der Regierung. Mit einer Länge von 62.1 km und 15.8 km an ihrer breitesten Stelle ist sie das Zuhause für mehr als die Hälfte der Azoreanischen Population (137’856 im Jahr 2011). Es gibt drei grosse Vulkansysteme auf der Insel, deshalb sieht man Spuren vulkanischer Aktivität wo man hinschaut. Heisse Quellen, Fumarolen und sogar ein geothermisch beheizter Surfspot in Ribeira Quente. Von all den Vulkankegeln ist der Pico da Vara mit 1’105m der höchste Punkt der Insel.

Ribeira Quente Azores
Ribeira Quente an der Südküste von São Miguel.

Das Klima

Dank dem Golfstrom ist das Klima auf den Azoren sehr mild. Durchschnittstemperaturen von 16ºC im Frühling, 21ºC i Sommer, 18ºC im Herbst und 14ºC im Winter ist sind nicht was man mitten im Atlantischen Ozean erwarten würde. Dank diesem stabilen Klima gedeiht auf den Inseln eine üppige Flora mit vielen Blumen und sogar Ananas, Tee und Tabak werden auf Plantagen kultiviert.

Wie man herum kommt.

Die beste und wahrscheinlich einzige Möglichkeit, auf der Insel herum zu kommen ist ein Mietauto. Damit kann man fast jeden Punkt der Insel innerhalb einer Fahrstunde erreichen. Die Distanz zwischen der Hauptstadt Ponta Delgada im Süden und Ribeira Grande im Norden ist ungefähr 20km. Die Verbindungen sind ziemlich schnell, ausser an den westlichsten und östlichsten Punkten der Insel wo das Fehlen von Autobahnen etwas mehr Geduld erfordert. Die Strassen sind auch dort sehr gut ausgebaut und die kurvenreichen Strassen bieten atemberaubende Ausblicke auf die Küstenlinie und ins Landesinnere.

Was und wo du essen solltest.

Der Azoreanische Speiseplan basiert auf allem, was aus dem Ozean kommt und Gemüse. Sehr bald wirst du feststellen dass überall wo du hin gehst Rinder auf saftigen Weiden grasen und so ist es kein Wunder, dass lokale Milchprodukte und Fleisch ebenfalls auf dem Menu stehen. Es ist wirklich einfach gut und gesund zu essen und es gibt unzählige Restaurants in allen Preisklassen. Hier ist eine Liste mit denjenigen, die uns am besten gefallen haben. 

Was man gesehen haben muss.

Auf São Miguel gibt es sehr vieles zu sehen: heisse Quellen, Schluchten, Lavatunnel, Fumarolen, Ananasplantagen, Teeplantagen, die Altstadt von Ponta Delgada und verschiedenste Outdooraktivitäten. Hier findest du eine Liste von Dingen, die du tun kannst, wenn’s mal keine Wellen gibt. Was man unbedingt gesehen haben muss:

Sete Cidades und das verlassene Hotel.
Sete Siudades Azores
Die Kraterseen von Sete Cidades.

Sete Cidades ist der Name eines alten erloschenen Vulkankraters. Über die Jahrtausende hat das Regenwasser zwei atemberaubend blau-grüne Seen gebildet. Der Name „Sete Cidades“ beudeutet „sieben Städte“, auch wenn da nur ein kleines Städtchen zu finden ist. Der malerische Ort ist Startpunkt vieler Wanderungen um den See oder – für die etwas ausdauernderen – entlang des Kraterrandes.  

Abandoned hotel Azores
Das verlassene Hotel.

Südlich des Städtchens, auf eben diesem Kraterand, befindet sich eine Sehenswürdigkeit, die zu einem Internetphänomen wurde: das verlassene Hotel „Monte Palace“..Es schaut nicht mehr gerade nach Palast aus, aber es verzeichnet heute im abgewrackten Zustand wahrscheinlich mehr Gäste pro Tag als während seiner gesamten Betriebszeit. Das waren nämlich genau 13 Monate.

 

 

Poça da Dona Beija
Poca de Dona Beija Azores
Poca de Dona Beija

Für seriöses Relaxen empfehle ich einen Besuch im Poça da Dona Beija in Furnas. Das Warme Wasser kommt von einer vulkanischen Quelle, weshalb die Wassertemperatur in den verschiedenen Bassins variieren kann und sinkt, je weiter man von der Quelle entfernt ist. Die ruhige Atmosphäre machen es zum perfekten Platz um einen spannenden Tag an der Südküste ausklingen zu lassen.

Caldera Velha
Caldera Velha Azores
Caldera Velha

Ebenfalls ein sehr entspannter Ort um ein Bad zu geniessen ist die  Caldera Verlha an der Flanke des Zentralvulkans oberhalb von Ribeira Grande. Anders als bei der „Poça“ sind die Pools hier natürlichen Ursprungs und mitten im Urwald. Man fühlt sich wie in „Jurassic Parc“, als würde gleich ein Dinosaurier aus dem Dickicht auftauchen.
Es ist ziemlich touristisch und tagsüber herrscht viel Betrieb. Die grössten Chancen auf ein entspanntes Bad hat man am Morgen, bevor die Busse ankommen oder gegen den Abend. Unbedingt Öffnungszeiten checken, bevor du hin fährst!

 

Salto do Cabrito

Salto do Cabrito AzoresDer Wasserfall an sich ist schön anzuschauen, aber nicht besonders spektakulär. Du kannst aber dem Weg entlang der Druckleitung des Wasserkraftwerks folgen und findest dich im Nu mitten im Urwald wieder, hörst den Tieren zu und pflückst wilde Früchte. Wir haben uns zwei Stunden herum getrieben und dabei keine Menschenseele gesehen. Nächstes Mal nehmen wir eine Slackline mit und spannen sie über den Fluss.